Jamie - HB Just Talk About It

Jamie aus unserem J-Wurf wurde am 11.06.2017 bei uns geboren und zog mit 9 Wochen als unbeschwerter, glücklicher, gepflegter und sehr menschenbezogener Welpe zu seinen neuen Besitzern.

Leider lief es dort offensichtlich nicht so, wie wir es uns für unsere Welpen wünschen - wir bekamen vor einer Woche einen Anruf vom Besitzer das Jamie gebissen hätte, nach ein paar Worten am Telefon war für uns klar: dort konnte und sollte Jamie nicht länger bleiben. Wir suchten eine vorübergehende Pflegestelle, Verena Priller erklärte sich bereit unseren jungen Nachzuchtrüden aufzunehmen - bis dahin wussten wir alle noch nichts von Jamies gravierenden Problemen.

 

Wir (Marcus und ich) fuhren am vergangenen Samstag (16.11.19) zur angegebenen Adresse um "unser Baby" abzuholen und zur Pflegestelle zu bringen. 
Das Zusammentreffen mit Jamie schockte uns zutiefst: er ließ sich nicht anfassen, ins Gesicht schauen sah er schon als Bedrohung an - ein Verhalten das wir bis dahin von keiner unserer Nachzuchten kannten....

 - Jamie lässt sich nicht anfassen - weder am Kopf noch am Körper, sein Pflegezustand lässt daher zu wünschen übrig, eine Annäherung des Menschen hat er offensichtlich als negativ belegt - und er hat gelernt das "Zähne einsetzen" zum Erfolg führt / führen kann um Menschen auf Abstand zu halten -

Es brach mir das Herz und ich musste weinen als ich erkannte was aus einem unserer Babys geworden ist.

 

Wie oben geschrieben lebt Jamie derzeit in einer kompetenten Pflegestelle; Verena beobachtet sein Verhalten und sie sucht die richtigen Wege wie mit Jamie am besten an seinen Problemen gearbeitet werden kann.
In dieser Woche wird er noch tierärztlich untersucht ob ein gesundheitliches Problem vorliegt, welches (auch) Auslöser für sein Verhalten sein könnte.

 

Für Jamie suchen wir ein absolutes "FÜR IMMER" Zuhause - bei einem Menschen / Paar mit sehr viel Hundeverstand und Erfahrung mit "Problemhunden" - ohne Kinder!!!
Sie müssen die notwendige Ruhe, Geduld und Souveränität mitbringen und sie dürfen sich bei "Ausrutschern" nicht verunsichern lassen.
Ein souveräner, freundlicher Ersthund bei dem Jamie sich viel Gutes abschauen kann wäre Vorteilhaft (mit Hündinnen und Kastraten versteht sich Jamie sehr gut)
Jamie muss unbedingt wieder Vertrauen zum Menschen aufbauen - er braucht einen sicheren Hundeführer und ein sehr stabiles Umfeld.

 

Jamie wird gegen eine Schutzgebühr an geeignete Menschen vermittelt - bei ernsthaftem Interesse geben wir gerne weitere Auskunft über Jamie und leiten die Telefonnummer von Verena weiter.

Unser tiefster Dank geht an Verena - ohne sie wären wir derzeit völlig überfordert! Durch sie bekommt Jamie nun eine neue Chance... und wir hoffen sehr das wir für Jamie einen geeigneten Menschen finden, der die Herausforderung annimmt und mit Jamie zusammen arbeiten und vor allem Vertrauen aufbauen will.

Updates zu Jamie wird es hier geben!                     

 

(18.11.2019)

UPDATE Jamie 21.11.2019

 

Innerhalt kürzester Zeit machte Jamie bei Verena gigantische Fortschritte!
Verena schreibt (Text vor zwei Tagen erstellt) :

 

Da man nun einige Verhaltensweisen besser kennt und einschätzen kann, gibt ein Update zu Jamie. Die Fortschritte sind natürlich gigantisch, von gar nicht anfassen lassen und ständig drohen zu Nähe suchen und an Kopf und Brust streicheln lassen. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass ich derzeit vornehmlich Vertrauen aufbaue und nicht viel von ihm will - denn: Keine Erziehung ohne Beziehung.
 

Jamies Hauptproblem hat mit Menschen zu tun: An der Leine geht er auch bei völlig unspektakulären Begegnungen steil (Leute schauen ihn nicht an oder bewegen sich nicht ungewöhnlich), auch Jogger oder Leute mit Kapuze/Hut/Regenschirm passen in sein aktuelles Beuteschema. Er ist derzeit gänzlich umweltfokussiert, heisst er achtet nicht auf seinen Hundeführer, zieht wie ein Ochse und wenn ihm jemand entgegenkommt, wird der fixiert und er löst auch aus, geht lautstark auf den Hinterbeinen nach vorne. Geht man ein paar Meter zurück und unterbricht die Fixierung, kann man das Verhalten abbrechen. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, solche Situationen ergeben sich natürlich schnell, wenn mal unerwartet jemand aus der Tür tritt oder um eine Ecke kommt. Eine dicht besiedelte Umgebung erfordert also sehr viel Aufmerksamkeit und auch Standfestigkeit vom Ende der Leine, gerade in der dunklen Jahreszeit - Jamie schmeisst sein ganzes Gewicht nach vorne. Nach wie vor keine Übersprungshandlung (in den nächst erreichbaren Hund oder seinen Menschen beissen), er kriegt sich auch schnell wieder ein. Heisst der Hund gehört in der Öffentlichkeit sehr sorgfältig geführt und sollte einen Maulkorb tragen. Das Maulkorbtraining beginnen wir gerade wieder bei null, der ist derzeit klar negativ belegt, schon im Anblick wendet er sich ab und knurrt.

Auf dem Video auf der Wiese sieht man in der SloMo Szene, dass er manchmal überraschend rumfährt und schnappt - hier nach einer leichten Berührung an der Seite (Anmerkung: leider konnte ich das hier beschriebene Video nicht hochladen).

Er ist definitiv bindungswillig, sucht bereits nach 2 Tagen meine Nähe und lässt sich mittlerweile auch an- und ableinen meist ohne Probleme. Meist, weil Jamie vor allem wenn er geistig müde ist, schnell wieder in alte Muster zurückfällt und plötzlich droht (fixieren, knurren, Zähne zeigen) bei Aktionen, die ansonsten gut funktionieren. Jamie kann ein absoluter Charmeur sein, legt seinen Kopf oder sein Pfötchen aufs Bein, diese Verhaltensweisen sollte man allerdings tunlichst unterbinden, denn das ist vermutlich Teil des Problems, dass Jamie zuwenig Respekt vor Menschen hat. Er lernt nun, dass nicht er Zuwendung einfordern kann mit Penetranz, sondern er dazu eingeladen wird. Alleine mit mir kann er sich auch fallenlassen, wälzt sich glücklich grunzend, macht eine Spielaufforderung und kann auch angemessen reagieren, wenn man mal spielerisch hinterher hopst. Jamie lernt schnell und zeigt sich offen für Führung und klare Regeln. Er ist angeclickert und hat zunächst gelernt, seinen Kopf freiwillig locker in die Hand zu legen - die Dauer werden wir nun ausbauen.
 

Er macht einen unausgelasteten Eindruck, geistig sowie körperlich, heute war er tagsüber mit in meiner Hundetagesstätte, die ganzen anderen Hunde haben ihn völlig fasziniert. Da er mit intakten Rüden unverträglich ist, war er durch ein Gitter von der Gruppe getrennt - glotzen und provozieren wird abgebrochen, Rückzug in den anderen Auslauf oder zu mir kommen wird belohnt. Das lernt er nun auch, dass dieses Konfrontationen suchen inakzeptabel ist und sich defensives Verhalten lohnt. Er muss selbstverständlich nicht jeden mögen, aber dann hat er sie zu ignorieren - das klappt auch mit den anderen 7-8 intakten Rüden in der Gruppenhaltung, wenn es etwas zu regeln gibt, dann machen das die Menschen.
 

Donnerstag ist sein Tierarzttermin - dann wird man das Ausmaß der Verfilzungen sehen können und was nötig ist, wird runtergeschoren. Dann hat er erstmal Ruhe und man muss ihn nicht gängeln, solange ihm die Berührungen noch zu stressig sind - in der Zeit kann man sicherlich das erforderliche Vertrauen aufbauen, um das Fell dann gepflegt nachwachsen zu lassen. Auskämmen mit Maulkorb und Fixierung wäre hier der falsche Weg, das zerstört wieder das gerade langsam aufkeimende Vertrauen in die Menschen. Ich vermute er hat rechtsseitig eine Ohrenentzündung, ein Ohr hängt anders und er schubbert sich über den Teppich - auch sowas wird dann natürlich überprüft.
 

Jamie wird vermutlich nicht "everybodys darling" werden, der auf jeden Menschen freudig zurennt - das muss er auch nicht, er muss aber lernen, sich auf seine Menschen zu verlassen, dass die regeln, falls Gefahr besteht. Er ist zwar absolut umweltsicher, was Geräusche (Strassenbahn, Autos usw) und Bodenbeläge (Gitter) angeht, aber in weniger dichtbesiedelter Umgebung wäre er besser aufgehoben. Seine Bezugspersonen sollten sich von seinen gelegentlichen Rückfällen auch in Zukunft nicht beeindrucken lassen und Lust haben, einem jungen Hund Teile der Welt nochmal neu zu erklären, ihm aber auch klare Grenzen setzen und sich nicht um den Finger wickeln lassen.
 

Lebt in 40591 Düsseldorf - Kennenlernen und live in verschiedenen Situationen erleben ist Bedingung.

 

 

 

Heute findet die tierärztliche Untersuchung statt, hierzu wird Jamie in (Kurz)Narkose gelegt, damit die Untersuchungen sowohl für Jamie als auch für den Tierarzt möglichst stressfrei sind.
Geplant sind natürlich auch das herausschneiden / herausscheren der filzigen Stellen, dazu eine chemiche Kastration (eine endgültige Kastration wird für "später" geplant), ggf. findet auch eine Röntgenuntersuchung statt.
Der tierärztliche Bericht folgt später.

 

UPDATE Jamie 22.11.2019

 

Das "schlimmste" hat Jamie (und auch Verena) hinter sich... wie erwartet war das narkotisieren nicht einfach (ohne Kurznarkose hätte man ihn nicht untersuchen können). - Verena berichtete das trotz vorheriger Valiumgabe das fixieren des Hundes für alle Beteiligten sehr stressig war.

Jamie hat rechtsseitig eine leichte Ohrenentzündung, hier wurden Tropfen verabreicht, der Kastrations-Chip wurde gesetzt, dazu eine Testosteron-Spritze die das Hormon innerhalb kürzester Zeit herunterfahren.
Das Ausmaß der Verfilzungen war - ebenfalls wie erwartet - verherrend: Filzplatten bis zur Haut, welche natürlich auch Hautreizungen verursachten.
Anhand der Verfilzungen können wir uns vorstellen wie lange sich Jamie nicht mehr anfassen / untersuchen und bürsten ließ, was uns natürlich sehr traurig stimmt....
Es ist keine Schande sich mit einem Hund überfordert zu fühlen - wichtig ist das man sich dies aber ehrlich eingesteht und sich frühzeitig kompetente Hilfe sucht oder seinen Züchter darauf anspricht....

Jamie bekam direkt einen Maulkorb angezogen, was für das zukünftige Training mit ihm nötig ist - er darf keine Erfolgserlebnisse im Bezug auf Beißen und sich somit Menschen auf Abstand zu halten, mehr haben.

UPDATE 27.11.2019

Verena schreibt:

 

Der Tierarztbesuch letzten Donnerstag hat unsere Beziehung wieder etwas zurückgeworfen, einer musste ihn für die Narkosespritze halt packen. Es war aber dringend nötig, denn das Fell hinten (die Hose) war in Platten bis zur Haut verfilzt, selbst die Haare um seine Eierchen waren mit hineingefilzt. Also trägt ein nun popofrei, das hat ihn allerdings nicht eine Minute gestört - sicherlich ist er froh, den Filz los zu sein. Er hat ein Suprelorin Implantat bekommen für 12 Monate, damit das hormongesteuerte Verhalten mal runtergefahren wird und der Hund draussen ansprechbarer bleibt. Ein Ohr wurde behandelt und Wirbelsäule und Hüfte geröngt, ob es irgendwelche großen Baustellen gibt, die ihm Schmerzen bereiten, da ist aber nichts Akutes.

Die Verhaltensprobleme lassen sich relativ gut zusammenfassen - es gibt ein grundlegendes Problem, nämlich ganz wenig Frustrationstoleranz und der hohe Stresslevel, den der Hund kontinuierlich hat, auch wenn drei absolut ruhige, souveräne Hunde um ihn herum sind, die sich nicht davon anstecken lassen. Es gibt ein "gemachtes" Problem, welches mit in die Box/ins Auto/ins Haus rein oder raus zu tun hat - hier sieht man sofort, dass der Hund eine negative Erwartungshaltung hat, er zieht den Kopf ein und knurrt, wenn er noch angeleint ist und flüchtet schon fast in seine Box. In so einer Engesituation hat es also definitiv negative Vorkommnisse gegeben, deswegen ist Nähe zum Menschen (auch ohne Anfassen) ein immenser Stressfaktor. Wenn ich weggehe, heult er mir hinterher, aber Nähe kann er (noch) gar nicht ertragen.

Das ist auch das grösste Problem, was wir haben, dieser Hund ist überhaupt nicht für die Stadt geeignet, Begegnungen mit Menschen sind auf der Pipirunde nicht immer vermeidbar und bringen Jamie immer wieder in Stress. Auch zu unseren großen Runden und zur Arbeit müssen wir Auto fahren, wo durch das Ein- und Ausstelgen Stress entsteht. Besser wäre ein Plätzchen, wo weniger Handling nötig ist, er zB erstmal im umzäunten Gehege frei laufen kann, er hört auf seinen Namen und kommt auf Zuruf.

Jamie hat auch viele gute Seiten, er hat riesigen Spaß am Clickern und bleibt hochmotiviert dabei (siehe Video unten in den Kommentaren), ist nicht ressoucenverteidigend ggü Hunden, er hört auf Rückruf, beherrscht Sitz und Platz und gibt Pfote, er kläfft zwar erstmal frustriert, wenn er allein bleiben muss, beruhigt sich aber schnell und ist dann ruhig. Die Gegenkonditionierung von den Stressmomenten Auto rein/raus hat bereits gute Fortschritte gemacht, das kriegt man mit Ruhe und Geduld und Futter sicherlich in den Griff. Auch Nähe wird der Hund wieder suchen und geniessen lernen, im Moment sind wir durch eine Verletzung im Gesicht etwas gehandicapt, das muss am Donnerstag nochmal beim Tierarzt behandelt werden.

Mit Maulkorb ist der Hund nahezu gefahrlos zu handlen, er kann damit problemlos trinken und fressen, gähnen und sich seine "private parts" reinigen Nichtsdestotrotz muss man den Hund umsichtig führen, wenn Menschen oder unbekannte Hunde in der Nähe sind - niemand möchte gerne von einem größeren schwarzen Hund angepöbelt werden. Ich bin sicher, dass sich das legen wird, kein Hund auf der Welt möchte so leben, so gänzlich für sich alleine und mit soviel Stress und Misstrauen. Er lernt ja nun, dass das alte Muster (mit Zähnen durchsetzen, was ihm nicht passt), einfach nicht mehr funktioniert, das ermöglicht ein ganz ruhiges Handling und das ist genau das, was er braucht. Man darf sich von seinen Rückfällen nicht beeindrucken lassen, es ist gut, dass er warnt und nicht gleich nach vorne geht, mit souveräner und ruhiger Führung, wird das mehr und mehr verschwinden. Kein Hund für Familien mit Kindern oder viel Trubel oder eben für die Stadt oder fürs Büro, aber eben unter dem ganzen rauhen Theater ein armes Schwein, der sicherlich gerne die ganze Last abgeben würde.


Nachtrag von mir:
Andrea (Besitzerin von Fido und Finn) und ich haben Jamie bei Verena besucht. Unser Eindruck deckt sich mit den Angaben von Verena:
Jamie möchte sich wieder an (s)einen Menschen binden und Vertrauen aufbauen, durch viele negative Erfahrungen in der Vergangenheit braucht er natürlich auch viel Zeit dafür.

Es wäre für Jamie von großem Vorteil wenn wir Menschen für ihn finden die sich der Aufgabe gewachsen fühlen und mit ihm durch eine ruhige, sichere und konsequente Führung an seinen Problemen arbeiten....

 

Bianca u. Marcus Müller

Aubachstr. 110

56567 Neuwied (Germany)

+49 2631 54120
highland-breezes@t-online.de

 

KONTAKT

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2015-2019 Bianca Müller • Highland Breezes Border Collies (VDH/FCI/CfBrH)